Bevor wir zu einer Leseprobe kommen werden, stellt der Vertreter des „Geschmacklosenverbandes“ hier vier Fragen an den Autor des vorliegenden Männerkochbuches „Man(n) kocht“:

1. Was bringt einen Mann zum Kochen?

Dieser doppelsinnigen Frage gehe ich in meinem Buch nach. In einer Zeit, in der die Frau fast jeden Bereich erobert hat, der vorher eine reine Männerdomäne war, bleibt dem angeblich starken Geschlecht nur noch die Flucht in die Küche.

2. Haben Sie die Gerichte Ihres Buches denn auch selbst gegessen?

Um Gotteswillen, nein! Ich wollte doch gesund bleiben. Aber Spaß beiseite: Mein Buch ist voller Rezepte, die ich mir selbst aus den Fingern gesogen habe. Diese sind sozusagen auch als Selbstschutz entstanden gegen meine Schwiegermütter und deren Töchter, die immer das gekocht haben, wovon ich dann generell Sodbrennen bekam.

3. Das soll ein Kochbuch für Männer sein. Wieso denn diese Abgrenzung zu Frauen?

Ach, was! Abgrenzung! Frauen dürfen natürlich danach auch kochen. Aber in der Hohen Schule der Kochkunst spielt der Mann international unbestritten die Hauptrolle. Er ist im Wettbewerb der Geschlechter nun mal der bessere Koch. Der normale Alltagsmann aber ist in der Küche manchmal noch ein kleines hilfloses Menschlein, das sogar Wasser anbrennen lässt. Wenn ich mir vorstelle, wie sich dieser unbedarfte Mann gerade mal seine täglichen zwei Eier in die Pfanne hauen kann (AUA!), blutet mir das Herz. Und ich denke bei mir: Schade, Herbert! Schade!

4. Wer ist denn Herbert? Ihr Name ist doch nicht Herbert!

Habe ich das denn je behauptet? Herbert ist die Zentralfigur in meinem Kochbuch. Seine Tagebucheintragungen sprechen Bände. Nie war der Weg eines Mannes vom Kochneuling zur Scheinselbständigkeit am heimischen Herd dornenreicher! Und die Lebens- und Leidensgeschichten von Herbert, dem "Pattenbau-King", müssen hier und heute in die Öffentlichkeit getragen werden! Das hat oberste Priorität! Das werden Sie doch wohl einsehen, oder? Denn die Tragik ist: Wir Männer haben den "Herbert" in uns allen! Das musste mal gesagt werden!

 

Aus dem Tagebuch von Herbert S.

19. Februar
Komme nach Hause, kriege von meiner Frau Bine mein Essen vorgesetzt. Bringe berechtigte Kritik an: “Was ist das denn? Bin ich ein Karnickel? Statt Salat hättest du noch ’ne Wurscht ’rauftun sollen. Und das schmeckt ja noch nich mal nach ihm geschweige denn nach ihr!” Bine hat so was schon öfter von mir gehört und scheint nun den Kanal gestrichen voll zu haben. Und zwar gehörig. Mit einem energischen “HIER!” klatscht sie mir das Besteck auf den Teller und sagt: ”Mach’ doch deinen Scheiß alleine, du Überlebenskünstler. Versorge dich selbst. Ich geh zu Renate!” Renate ist ihre Freundin, die auf meine Bine einen unheilvollen Einfluss ausübt, indem sie ihr laufend erzählt, wie fest die ihren Mann an die Kandarre nimmt. Kurze Leine nannte sie das! Wenn die ihrem Mann eine lange Leine gäbe, hätte der sich daran bestimmt schon längst aufgebammelt. So sind die Weiber. Brutal! Bin zusammengezuckt. Die Tür ist ins Schloss geknallt! Klang wie ein Pistolenschuss. Wie ein Signal, der eine Wende im bisherigen gemeinsamen Haushalt einläutet. Also, wie nun weiter? Mit langen Zähnen die Fuhre Heu mit dem lächerlich kleinen Hauch von Wurst einschieben? Und darauf warten, dass einem lange Hasenohren und ein kleiner Buschelschwanz wachsen? Oder darauf vertrauen, dass ich bei Essensverweigerung irgendwann vor Entkräftung dahindämmere und selig für immer entschlafe? Oder in einem tapferen Selbstversuch etwas Verzehrbares herstellen?

20. Februar
Konnte mich zu nichts entschließen. Habe schon den zweitenTag zu Hause nichts gegessen. Bine kauft nur soviel ein, wie sie selber isst. Habe deshalb heimlich an einer trockenen Brotrinde gelutscht. War das eklig! Hätte mir ja auch selber was gekauft, wenn ich nur wüsste, wo! Die Kollegen kann ich nicht fragen. Mache mich ja lächerlich, wenn die hören, dass ich selber einkaufen gehe. Mein Magen knurrt. Bine sagt, bei dem Geräusch kann sie nicht einschlafen. Ich soll aufs Feldbett in den Hobbyraum.

21. Februar
Hatte heute früh eine gute Idee gehabt. Wollte von meinem Kollegen Erwin wissen, wo ein Supermarkt ist. Um keinen Verdacht zu erregen, habe ich nach einer Einkaufsquelle für Hundefutter gefragt.
Da hat er gesagt, dass ich ja keinen Hund hätte und ob das Essen meiner Alten schon so schlecht wäre, dass ich auf Hundefraß umsteigen müsste. Also voll daneben, die Aktion! Habe dann bis zum Abend Frauen mit Einkaufstüten verfolgt, um vielleicht zu erfahren, wo die Essen oder so was einkaufen. Ohne Erfolg. Bin total müde.

23. Februar
Bin abgezehrt und entkräftet, aber in meinen Augen lodert fanatischer, trotziger Stolz. Bine muss davon etwas mitbekommen haben. Es klang wie Anerkennung, als sie sagte: ”Nun ist ja deine Wampe fast völlig weg. Du solltest Hosenträger oder Gürtel tragen, damit die Hose nicht zu Boden rutscht. Denn garantiert gibt es keine Stelle unterhalb deiner Gürtellinie, an der sie hängen bleiben könnte - außerdem: Nimm mal wieder was Anständiges zu dir, du riechst aus dem Mund, als hättest du deine Füße gegessen.” Na prima!

24. Februar
Heute ist Sonnabend. Mein Magen knurrt so laut, dass er meinen Stolz übertönt. Ich gehe nicht in die Kneipe essen! Denn wenn mich meine Kumpels dort sehen würden, könnten die denken, dass meine Frau nicht kochen kann. Von wegen nicht kann! Nicht kochen will, wäre richtiger gesagt! Bine fragt mich scheinheilig so nebenbei, ob ich wieder am gemeinsamen Essen teilnehmen möchte. Als ob ich Schuld hätte an der ganzen Misere! Irgendwie hat mich der Teufel geritten, als ich ihr sagte, dass ich heute einkaufen und ein Essen auf den Tisch stellen würde. So eines hätte sie noch nie gegessen. Das befürchte sie auch, meinte Bine. Mir war nicht klar, warum sie das sagte. Ich habe sie ausgehorcht, wo sie denn immer einkauft und war erstaunt, dass es gleich bei uns um die Ecke ist. Habe fünf Kilogramm Fleisch gekauft, einen Sack Kartoffeln und als Gemüse solche grünen Stangen mit so weißlichem Kopf und Fusseln dran. Das Fleisch wird ja wohl für uns beide reichen. Scheint mir aber doch ein bisschen knapp zu sein. Ich frage Bine: ”Na, wie würdest du den das kochen, hä?” Sie sagt: ”Im Bräter anbraten, Fond ablöschen, gar schmoren und dann servieren!” “Ja, du!” sage ich. “Warte du mal ab.” Ablöschen! Lächerlich! Bin ich bei der Feuerwehr? Also erst mal einen Liter Öl heiß machen, habe ich in einem Actionfilm gesehen. Nach drei  Stunden hab ich in der lichtlosen, völlig verqualmten Küche versucht, den schwarz verkohlten Fußball mit etwas Wasser zu retten. Die Feuerwehr hat dann die Ölstichflamme gelöscht. Das konnte Bine nicht mit Ablöschen gemeint haben!
Oder doch? Habe Bine ins Restaurant zum Essen eingeladen. Werde ab Montag Urlaub nehmen, um die Küche zu renovieren.

28. Februar
Küche ist fertig und Bine wieder versöhnt. Hat mir ein Kochbuch geschenkt. Bevor ich mich einigermaßen von dem Geschenk erholt hatte, sagte sie mir, dass am Wochenende Schwiegereltern kommen. Zum Mittagessen! Und ich ich soll kochen ! Also, es gibt Tage, da sollte man gar nicht erst aufstehen!


 

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